Der Einfluss eines effektiven Transports auf den Patientendurchsatz
Hördauer | 10:54
Thomas Perry, Senior Product Manager – Throughput Solution Line Leader, gibt einen Einblick in die zentrale Bedeutung des Transports für den gesamten Patientenfluss. Zu den wichtigsten Erkenntnissen gehören:
- Der Patientendurchsatz ist eng damit verknüpft, wie effizient ein Patient die verschiedenen Versorgungsschritte durchläuft. Ein strukturierter Patiententransport stellt sicher, dass alle relevanten Anlaufstellen rechtzeitig erreicht werden und bereitet ihn auf den nächsten Behandlungsschritt vor.
- Einheitliche, zentralisierte Transportprozesse steigern die Patientensicherheit und sorgen für eine konsistente Arbeitsweise.
- Der Einsatz von spezialisierten Patiententransportern ist wirtschaftlicher als die Einbindung von Pflegepersonal oder Technikern, weil er Kapazitäten schont und Arbeitsabläufe optimiert.
- Die gezielte Datenauswertung von Transportzeiten und -wegen ermöglicht es, potenzielle Hindernisse zu identifizieren und Qualitätsverbesserungen voranzutreiben.
Über den Experten
Thomas Perry, Senior Product Manager – Throughput Solution Line Leader, ist seit 2001 bei TeleTracking tätig und hat an verschiedenen Lösungen für einen verbesserten Patientenfluss mitgewirkt, darunter TransportTracking™, BedTracking®, ServiceTracking™ sowie an TeleTrackings RTLS-Lösungen wie AssetTracking, TempTracking und der Integration erweiterter RTLS-Funktionen in bestehende Plattformen. Sein Spezialgebiet ist die Weiterentwicklung von Konzepten, um den Zugang zu Versorgungseinrichtungen und den Durchsatz zu erhöhen – was die Zufriedenheit von Patienten und Fachkräften gleichermaßen fördert.
Abschrift
TeleTracking:
Willkommen zum Patientenfluss-Podcast. Wir freuen uns sehr, dass heute Tom Perry, Senior Product Manager bei TeleTracking, zu Gast ist. In dieser Folge befassen wir uns mit der Frage, welche wichtige Rolle der Transport für den gesamten Patientenfluss spielt. Tom, könnten Sie uns bitte kurz etwas über Ihre beruflichen Hintergründe und Erfahrungen erzählen?
Tom Perry:
Gerne. Ich bin seit über 20 Jahren Teil von TeleTracking. Schon während meiner Zeit in der Hochschule lag mein Interesse auf der Schnittstelle zwischen Technologie, Kommunikation und Organisationsstrukturen. Mich hat besonders fasziniert, wie Technologie verschiedene Abteilungen in ihrer Zusammenarbeit unterstützen oder auch behindern kann. Bevor ich zu TeleTracking kam, habe ich in verschiedenen Bereichen Prozessumgestaltungen begleitet – vom Vertrieb über die Medien bis hin zur Logistik und zum Wissensmanagement.
TeleTracking:
Wenn wir an Krankenhäuser denken, fallen uns viele Fachbereiche wie Notaufnahme, Radiologie, OP oder Intensivstation ein, durch die ein Patient im Laufe seiner Versorgung navigiert. Ein zentraler Bestandteil des Patientenflusses ist der sichere und effiziente Transport zwischen diesen Bereichen. Warum ist der Transport aus Ihrer Sicht so entscheidend für einen reibungslosen Patientenfluss?
Tom Perry:
Man kann es sich wie eine Kette von Versorgungsschritten vorstellen. Nach der Aufnahme geht es ins Zimmer, dann zur entsprechenden Untersuchung, zum Eingriff und schließlich zur Entlassung. Wenn der Transport an einer Stelle stockt, verlangsamt das den gesamten Ablauf und kann auch die Patientenzufriedenheit beeinträchtigen. Deshalb ist ein gut geplanter Patiententransport so wichtig, um die nächste Versorgungsstufe zügig einleiten zu können.
TeleTracking:
Viele Krankenhäuser nutzen entweder Spezialteams für bestimmte Abteilungen oder verfolgen einen zentralisierten Transportansatz. Welche Vorteile bietet ein zentrales Modell aus Ihrer Sicht?
Tom Perry:
Der Schlüsselbegriff ist Konsistenz. Durch eine zentrale Steuerung lassen sich einheitliche Sicherheits- und Qualitätsstandards festlegen, die für jeden Patienten gelten – unabhängig davon, auf welcher Station er sich befindet. Dadurch entsteht eine klare Verantwortlichkeit, und die Prozesse bleiben transparent.
TeleTracking:
Zusätzlich schafft ein solches System doch wahrscheinlich auch mehr Flexibilität, wenn einzelne Abteilungen schwankende Auslastungen haben?
Tom Perry:
Absolut. Wenn eine Station weniger Transportunterstützung benötigt, können die Transportteams an anderer Stelle einspringen und dort Engpässe beheben. Damit wird die gesamte Kapazitätssteuerung deutlich effektiver.
TeleTracking:
Weshalb empfehlen Sie, spezielle Patiententransporter zu etablieren, anstatt Pflegekräfte oder Techniker für diese Aufgaben einzusetzen?
Tom Perry:
In erster Linie entlasten Sie damit die Fachkräfte, die sich so stärker auf ihre pflegerischen oder technischen Kernaufgaben konzentrieren können. Darüber hinaus können spezialisierte Patiententransporter schneller, sicherer und mit weniger Unterbrechungen arbeiten, weil sie ausschließlich für diesen Zweck zuständig sind. Das verbessert die Gesamt-Effizienz und erhöht die Zufriedenheit bei Patienten und Mitarbeitern gleichermaßen.
Tom Perry:
Das zentrale Stichwort ist Konsistenz. Pflegekräfte an vorderster Linie betreuen stets mehrere Patientinnen und Patienten gleichzeitig. Auch wenn es auf den ersten Blick unbedeutend erscheinen mag – ein Transport innerhalb der Klinik beansprucht oft 20 bis 25 Minuten. Diese Zeit fehlt dann an anderer Stelle. Das bedeutet nicht, dass Pflegekräfte oder medizinisch hochqualifiziertes Personal nicht in bestimmten Situationen am Transport beteiligt sein sollten – etwa bei komplexen oder kritischen Fällen. Doch in vielen Situationen ist es zielführender, spezialisierte Transportkräfte einzusetzen. Das entlastet das Pflegepersonal und schafft Kapazitäten für die direkte Versorgung am Bett.
TeleTracking:
Die Qualifikationen des Pflegepersonals kommen dann dort zum Einsatz, wo sie den größten Unterschied machen – in der unmittelbaren Versorgung von Patientinnen und Patienten.
Tom Perry:
Exakt. Dazu kommt eine wirtschaftliche Komponente. Ein Patiententransporter verursacht geringere Personalkosten als Pflegekräfte oder technische Fachkräfte, deren Einsatz an anderer Stelle wertvoller ist.
TeleTracking:
Wie läuft der Transportprozess konkret ab – von der Anforderung bis zur Ankunft am Ziel?
Tom Perry:
Alles beginnt mit der Anforderung. Wird ein Patient z. B. in sein Zimmer oder zu einem diagnostischen oder therapeutischen Verfahren gebracht, geben die Stationsmitarbeitenden eine Transportanfrage in das System ein. Diese wird digital einem verfügbaren Transporteur zugewiesen. Die Transportkraft bestätigt den Auftrag über ein mobiles Endgerät – unabhängig davon, ob sie sich aktuell im gleichen Gebäude oder in einem anderen Bereich der Klinik befindet. Dieses erste Signal informiert das Pflegepersonal am Startpunkt, dass jemand unterwegs ist – ein wichtiger Beitrag zur Transparenz. Gleichzeitig dient es der Leistungsmessung: Wir erfassen, wann der Transport beginnt, wie lange er dauert und ob es zu Verzögerungen kommt.
Am Startpunkt meldet sich der Transporteur erneut – zur Validierung des richtigen Patienten und zum Statuswechsel in der App. Auch Abweichungen vom Soll-Prozess können an dieser Stelle dokumentiert werden. Nach erfolgter Ankunft wird der Auftrag abgeschlossen, und eine Folgetätigkeit kann unmittelbar zugewiesen werden.
Diese standardisierten, konsistenten Abläufe sind der Schlüssel zu einer verlässlichen Transportleistung – ein entscheidender Beitrag zur Gesamtqualität im Patientenfluss.
TeleTracking:
Ein gutes System ist nie statisch. Welche Hebel gibt es, um den Transportprozess kontinuierlich zu verbessern?
Tom Perry:
Datenbasierte Steuerung ist essenziell. Die genannten Prozesspunkte erzeugen eine Vielzahl an Kennzahlen: Dauer einzelner Transportwege, typische Zeiträume für bestimmte Ziele, Frequenz je Zielbereich, Auftreten von Verzögerungen. All diese Informationen helfen, systematisch zu erkennen, wo sich Engpässe befinden – sei es personell, organisatorisch oder infrastrukturell. Mit diesen Erkenntnissen lassen sich gezielte Maßnahmen zur Optimierung ableiten.
TeleTracking:
Die Transportkräfte sind über das gesamte Versorgungskontinuum hinweg im Einsatz. Welche Rolle spielen sie aus Patientensicht?
Tom Perry:
Ihre Rolle ist oft unterschätzt – aber sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Versorgungsqualität. Sie sind häufig der letzte Kontakt vor einem Eingriff oder einer Untersuchung, manchmal auch der letzte vor der Entlassung. In diesen Momenten können Freundlichkeit, Verlässlichkeit und ein ruhiges Auftreten das emotionale Erleben der Patientinnen und Patienten positiv beeinflussen. Es geht um Vertrauen und Komfort in einer oft ungewohnten Situation.
TeleTracking:
Welche Qualifikationen bringen Transportkräfte üblicherweise mit?
Tom Perry:
Das hängt vom jeweiligen Klinikstandard ab. In vielen Fällen verfügen Transportkräfte über eine zertifizierte Schulung in Erster Hilfe oder in Herz-Lungen-Wiederbelebung. Manche Einrichtungen verlangen auch eine rettungsdienstliche Grundausbildung – vor allem, wenn Transporte über mehrere Versorgungsebenen oder mit Monitoring durchgeführt werden. Wichtig ist, dass sie nicht nur physisch transportieren, sondern im besten Sinne begleiten.
Tom Perry:
Ich habe im Laufe meiner Tätigkeit viele unterschiedliche Kliniken kennengelernt – und ebenso vielfältig sind die Konzepte rund um den Patiententransport. Eines ist aber immer gleich: Das ist kein Schreibtischjob. Transportkräfte legen täglich viele Kilometer zurück. Deshalb ist es entscheidend, dass sie entsprechend geschult sind.
Viele Organisationen qualifizieren ihre Transportmitarbeitenden in Maßnahmen der Ersten Hilfe, insbesondere in der Herz-Lungen-Wiederbelebung. Mancherorts gehören auch Kenntnisse zur Überwachung von Vitalzeichen während des Transports dazu. Denn auch auf kurzen Wegen kann viel passieren.
Ein weiterer Aspekt: Alle Transportkräfte sollten die gleiche Schulung durchlaufen haben. So lässt sich ein einheitlicher Qualitäts- und Sicherheitsstandard gewährleisten – über alle Versorgungsbereiche hinweg.
TeleTracking:
Welche Verbindung sehen Sie zwischen Patiententransport, Patientensicherheit und Patientenzufriedenheit?
Tom Perry:
Mehrere Aspekte sind hier wichtig. Denken Sie an Fehler bei der Patientenidentifikation – etwa wenn ein Patient in den falschen Eingriffsraum gebracht wird. Die Transportkraft ist ein kritischer Kontrollpunkt. Denn sie überprüft nochmals Name, Geburtsdatum und Fallnummer. Gerade bei häufigen Namen wie „Müller“ oder „Schmidt“ ist das unerlässlich. Wenn es um Patientensicherheit geht, ist diese Validierung elementar.
Zur Zufriedenheit: Der Patiententransporter ist oft der letzte Mensch, mit dem Patientinnen und Patienten im Versorgungsprozess Kontakt haben – sei es auf dem Weg in den OP, zur Untersuchung oder zur Entlassung. Dieser Moment bleibt haften. Stellen Sie sich einen Restaurantbesuch vor: Alles war exzellent – aber das Dessert enttäuscht. Das beeinflusst das gesamte Erlebnis. Genauso kann ein unkoordinierter, unfreundlicher oder unpünktlicher Transport das ansonsten positive Versorgungserlebnis trüben. Kontinuität und Professionalität machen hier den Unterschied.
TeleTracking:
Wie tragen Transportkräfte dazu bei, dass benötigte Ausrüstungen zur Verfügung stehen?
Tom Perry:
Ein gutes System schafft Effizienz. Wenn Transportprozesse konsistent und planbar sind, bleibt Kapazität für weitere Aufgaben. In ruhigeren Phasen können Transporteure z. B. klinische Geräte wie Infusionspumpen, Rollstühle oder Tragen bewegen – immer mit dem Ziel, diese einsatzbereit und dort verfügbar zu halten, wo sie gebraucht werden. Damit wird eine wichtige Lücke zwischen klinischem Bedarf und logistischen Abläufen geschlossen.
TeleTracking:
Gerade in der COVID-Zeit wurde das Thema Ausrüstung ja noch sensibler – Stichwort Desinfektion und Verfügbarkeit.
Tom Perry:
Absolut. Es ist entscheidend, dass Geräte nach jeder Nutzung korrekt aufbereitet und an den richtigen Ort zurückgeführt werden. Wieder sind es strukturierte Abläufe, die hier den Unterschied machen. Nur mit klaren Prozessen bleibt die Qualität auch unter hoher Belastung – etwa in einer Pandemie – stabil. Konsistenz ist die Voraussetzung für Anpassungsfähigkeit. Wer gut organisiert ist, kann auch auf außergewöhnliche Situationen verlässlich reagieren.