Perspektiven auf KI aus der klinischen und produktseitigen Führung
Wie KI die Gesundheitsversorgung transformiert – Einschätzungen von Michelle Skinner (Chief Clinical Executive) und Michael Guidry (VP Product Development) bei TeleTracking.
Wie wird Künstliche Intelligenz das Gesundheitswesen verändern?

Michelle Skinner:
KI kann einen der zentralen Engpässe im Klinikalltag adressieren – die kognitive Belastung. Pflegekräfte und ärztliches Personal treffen täglich eine Vielzahl operativer Entscheidungen. Nicht alle sind kritisch, beanspruchen aber dennoch mentale Kapazitäten – etwa bei der Planung von Behandlungswegen, der Abstimmung von Verlegungen oder der Koordinierung mit verschiedenen Teams. Selbst erfahrene Fachkräfte stoßen hier an Grenzen.
Wenn KI die kognitive Last reduziert, steigt nicht nur die Effizienz – auch die Versorgung profitiert. Genau hier setzt angewandte KI an: Sie unterstützt Teams in Entscheidungsprozessen, schafft Freiräume für klinische Aufgaben und trägt so zu besseren Ergebnissen für Patienten und Mitarbeitende bei.
Michael Guidry:
Wie schon frühere technologische Sprünge – etwa in der Robotik – wird auch KI operative Prozesse im Gesundheitswesen tiefgreifend verändern. Es geht weniger darum, neue Probleme zu lösen, sondern bestehende Herausforderungen intelligenter anzugehen.
TeleTracking hat das Thema Patientenfluss als Pionier geprägt. Der Bedarf an beschleunigten Abläufen besteht unverändert. KI erweitert unseren Werkzeugkasten: Sie automatisiert Prozesse, erkennt Muster und entlastet menschliche Entscheidungsträger. So liefern wir dieselben Vorteile, aber mit neuen Mitteln – angepasst an die Komplexität moderner Klinikbetriebe.
Wie reduziert KI repetitive Aufgaben im Klinikalltag? Welche Anwendungsfelder sind besonders geeignet?
Michelle Skinner:
Aus meiner Erfahrung in der Pflege weiß ich, wie sehr administrative und organisatorische Tätigkeiten den Arbeitsalltag überlagern. Es gibt nicht die eine Aufgabe, die durch KI entfallen kann – aber sie kann schrittweise entlasten.
Ein konkreter Anwendungsfall ist das Bettenmanagement: Verfügbarkeit prüfen, Belegung planen, Verlegungen koordinieren – all das bindet wertvolle Zeit. KI kann hier durch Entscheidungsunterstützung und Workflow-Automatisierung schnell Wirkung zeigen und Pflegekräften ermöglichen, sich auf die Versorgung zu konzentrieren.

Michael Guidry:
Wir betrachten repetitive Tätigkeiten nicht isoliert – sie sind Teil eines größeren Problems: der wachsenden Komplexität klinischer Betriebsabläufe. Echtzeitdaten, historische Auslastungsmuster, Verfügbarkeit von Kapazitäten – all diese Informationen stehen zur Verfügung, aber kaum jemand kann sie vollständig erfassen und auswerten.
Viele Häuser versuchen das weiterhin mit Tabellenkalkulationen – das ist weder skalierbar noch robust. KI hingegen analysiert tausende Datenpunkte gleichzeitig, erkennt Zusammenhänge und macht daraus Handlungsempfehlungen. Besonders bei der Prognose von Kapazitätsbedarf und der Steuerung von Patientenfluss kann KI ihre Stärken ausspielen – dort, wo die Datenmenge den Menschen überfordert. So entsteht ein neues Niveau an Steuerbarkeit und Effizienz im Klinikbetrieb.
Wie lässt sich die KI-Bereitschaft einer Klinik definieren?
Michelle Skinner:
Die Bereitschaft einer Klinik für den Einsatz von KI bemisst sich nicht allein an der verfügbaren Technologie. Entscheidend ist, wie leicht die Anwendung für die Menschen im Klinikalltag wird. Es geht um drei zentrale Elemente: Menschen, Prozesse und Technologie – vergleichbar mit einem dreibeinigen Hocker.
Ein wesentlicher Teil liegt bei uns als Technologiepartner: Wir müssen sicherstellen, dass die klinischen Anwender klar erkennen, wie KI ihre Arbeit erleichtert und die Versorgung verbessert. Deshalb verfolgt TeleTracking einen interdisziplinären Ansatz bei Implementierung und Betreuung – mit dem Ziel, KI so einzuführen, dass sie Mitarbeitende unterstützt, Prozesse nachhaltig verbessert und konkrete Ergebnisse erzielt. Und wenn etwas nicht funktioniert? Dann justieren wir nach. Denn nur so wird KI nicht nur ein weiteres Tool, sondern ein echter Hebel für bessere Patientenversorgung.
Michael Guidry:
Ob eine Klinik bereit für KI ist, hängt von zwei Schlüsselfaktoren ab. Erstens: die Datenqualität. KI kann nur so gut sein wie die Datenbasis, aus der sie lernt. Der Vorteil von TeleTracking liegt in unserer spezialisierten Datenplattform – über Jahre entwickelt, um Daten zu bereinigen und für analytische Prozesse aufzubereiten. Diese Kombination aus Daten und Erfahrung beschleunigt die Einführung unserer KI-Lösungen.
Zweitens: Change Management. KI liefert Empfehlungen, doch der Nutzen entsteht erst, wenn das Klinikpersonal diesen vertraut und darauf aufbaut. Wir verlangen nicht, dass zusätzliche Daten eingegeben oder neue Systeme bedient werden müssen – wohl aber, dass KI-basierte Erkenntnisse genutzt werden, um die Abläufe zu verbessern.
Das funktioniert nur mit einem geschlossenen Kreislauf: Die KI gibt eine Prognose, das Team handelt, und das System lernt aus dem tatsächlichen Ergebnis. Dieses Feedback stärkt das Vertrauen – und verwandelt KI von einer technischen Neuerung in einen unverzichtbaren Bestandteil effizienter Kliniksteuerung.
Was begeistert Sie an der KI-Strategie von TeleTracking – und wie verändert sie die Arbeit in der Klinik?
Michelle Skinner:
Mich begeistert besonders, dass TeleTracking KI nicht nur als Verwaltungstool entwickelt – sondern gezielt für die Unterstützung der Versorgungsteams. Unsere Lösungen sind darauf ausgerichtet, Pflegekräften Zeit und Handlungsspielräume zurückzugeben – dort, wo sie am meisten gebraucht werden: direkt am Patientenbett.
Mit KI verankern wir das Prinzip, dass Klinikbetrieb der Patientenversorgung dienen muss – und nicht umgekehrt. So wird Technologie zum Motor besserer Versorgung.
Michael Guidry:
Mich motiviert vor allem die Resonanz unserer Kunden: Sie suchen genau nach dem, was wir mit KI liefern – effizientere, koordiniertere Abläufe. Wenn wir unsere Vision teilen, ist die Reaktion eindeutig: Die Vorteile sind klar, entscheidend ist die Umsetzbarkeit im Alltag.
Wir gehen mit einer differenzierten Lösung in den Markt, die nicht nur technisch überzeugt, sondern von Klinikteams gewollt ist. Das positive Feedback – von informellen Gesprächen bis zu Pilotprojekten – zeigt: Der richtige Zeitpunkt ist jetzt.